Finger weg vom Eintrittsgeld  in der Notaufnahme !!

 

 

 

Der Bundesverband Graue Panther e.V. protestiert aufs Schärfste gegen eine Gebühr für Behandlungen in der Notaufnahme, wie es auch in diesem Sommer wieder gefordert wird. Für den Bundesverband Graue Panther e.V. würden damit sozial schwache Menschen von ärztlicher Notversorgung ausgeschlossen und die Zweiklassenmedizin manifestiert.

Solange Patienten in den Arztpraxen keine Behandlung erhalten, weil diese zu viele Patienten betreut, zu wenig Personal hat oder eben gegen Ende des Quartals keine Budget mehr frei hat, MÜSSEN Patienten mit Schmerzen – auch wenn es nur ein eingewachsener Nagel ist – zur Notaufnahme gehen, auch wenn sie dazu oft quer durch die Stadt fahren müssen. Die Folgekosten, bei zu später Behandlung von vermeintlich kleinen Problemen sind nur allzu oft viel größer.

Der Bundesverband Graue Panther e.V. fordert eine flächendeckende, qualitativ hochwertige Betreuung aller Patienten. Gleich welcher Altersgruppe und sozialer Schicht!

Der Hintergrund:

Seit Sommer 2016 fordert in regelmäßiger Wiederholung die Kassenärztliche Vereinigung eine Kostenbeteiligung für Behandlungen in der Notaufnahme. Solange bis diese  eingeführt wird?   Je öfters desto erfolgreicher ?

2015  begann der Hartmann Bund NRW das erste Mal  die Diskussion, im gleichen Jahr gefolgt von der Süddeutschen Zeitung, die mit 100 € richtig aufschreckte.  Im September 2016 nahm sich dann die Zeit des Problems an.  Im Frühjahr 2017 folgte die Kassenärztliche Vereinigung Südwest und fand breite Zustimmung in einem Artikel des Spiegels.

Auch wenn ein Gutachten des VDEK  (Verband der Ersatz-Kassen) im Sommer 2016 schon zu dem Fazit kam, dass ein Drittel aller in der Notaufnahmen behandelten Patienten  auch in normalen Arztpraxen behandelt werden könnten, ist  „ein Eintrittsgeld“ für die Notaufnahme  unserer Meinung nach der falsche Lösungsweg.

Die Gründe, warum man in die Notaufnahme geht, sind vielschichtig.  Um die Patientenströme besser zu leiten, schlug jetzt die Kassenärztliche Vereinigung vor, den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst mehr zu stärken und bekannter zu machen.

War es nicht gerade diese Vereinigung, die den ärztlichen Notdienst einst hat auslaufen lassen?  Dazu kommen monatelange Wartezeiten bei fachärztlichen Terminen. Beides lässt den Laien in Notaufnahmen der Krankenhäuser wandern.

Das Problem liegt doch auf der Hand, zu viele Patienten, zu wenige Ärzte – Haus- wie Fachärzte. Dazu wird den niedergelassenen Ihre Arbeit durch Fallpauschalen und zu geringen Abrechnungspunkte im Quartal das Behandeln erschwert. Oder warum machen so viele (Fach-)arztpraxen  am Quartalsende eine Woche zu ?

Die VDEK Studie schlug als Lösung die Einführung von Portalpraxen an Krankenhäuser vor. Diese sollen als erste Anlaufstelle entscheiden, ob ein Patient ein Fall für die Notaufnahme oder für einen niedergelassenen Arzt ist.  Ziel solle es sein, die Patienten schnell an den richtigen Behandlungspfad zu bringen.  Leider gibt es bis heute nur wenige Praxen, die so betrieben werden.  Kein Wunder, denn die Kassenärztliche Vereinigung sieht darin keine Lösung für das Problem.   Was bleibt den Menschen in ihre Not, die Notaufnahme !!

Für uns ist das kein Flatrate-Zugang, wie es der Sprecher der KVN Niedersachsen-Bremen nannte, sondern eine Verdeutlichung eines flächendeckenden, bundesweiten Missstandes. Völlig daneben ist die Begründung für eine Gebühr vom Bremer KVHB (Kassenärztliche Vereinigung Bremen) Chef Hermann: „ … Wer aber meint, mit einem eingewachsenen Zehennagel in die Notaufnahme aufzuschlagen, wird es sich zweimal überlegen.“

Zum Glück wurde die Notwendigkeit einer Abhilfe für Notaufnahmen Anfang Juli auch von der Gesundheitsministerkonferenz erkannt und behandelt.  Die Ministerrunde schlug der Bundesregierung eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe vor, die sich um die Umsetzung der 2016 empfohlenen Portalpraxen befassen solle. Ein Tropfen auf dem heißen Stein ?!

Begrüßenswert ist die Aussage, der Bremer Gesundheitssenatorin, die sich gegen eine Gebühr für die Notaufnahme aussprach und bestätigte, dass seinerzeit die Praxisgebühr auch keine Regulierung bei den Arztbesuchen ergeben habe.

Der Bundesverband Graue Panther e.V. fragt sich, ob Aussagen wie: “… die Versicherungskarte werde von vielen Patienten wie eine Flatrate für medizinische Einrichtungen betrachtet. Diesen Trend müssen wir brechen. Der freie Zugang zur ärztlichen Versorgung ist ein hohes Gut, es muss aber eine Steuerung geben ..“, unsere medizinische Grundversorgung zum Luxusgut machen will.

Aus unserer Sicht hat die stetige Steigerungsrate bei Arztbesuchen mit gesellschaftlichen Phänomen zu tun: mehr ältere Menschen in der Bevölkerung, umweltbedingt mehr allergische Grunderkranken und stressbedingte Überforderungen in vielen Berufsbranchen.

 

Finger weg vom Eintrittsgeld  für Notaufnahme oder Arztpraxen und einfach mehr und bessere ärztliche Versorgung, sowie mehr ärztliche Ausbildung!