Empfehlung der  Bertelmanns Stiftung ist wohl an Unmenschlichkeit nicht mehr zu toppen!

 

Es soll die Engpässe beim Pflegepersonal durch Krankenhausschließungen entgegenwirken, so eine Empfehlung der Bertelmanns Stiftung dieser Tage.

„Das ist ja wohl an Unmenschlichkeit nicht mehr zu toppen“, so die Präsidentin des Bundes-verband Graue Panther e.V. (dem Dachverband der bundesweiten Senioren-Schutz-Bund e.V. Vereine) Erika Lohe-Saul in einer ersten Stellungnahme.

 

Der Personalmangel im Pflegebereich hat drastisch zugenommen, so fehlten nach Recherchen des NDR allein in Niedersachsen im Juni 2019 fast 1.000 geprüfte Pflegekräfte. Die Lage hat sich in den vergangenen Jahren drastisch verschärft. Grund hierfür ist jedoch nicht die Zahl der Krankenhäuser, sondern eine seit Jahrzehnten verfehlte Gesundheitspolitik“, kommentiert sie weiter die Studie der Bertelsmann-Stiftung.

Die bundesweite verfehlte Gesundheitspolitik hat schon lange nicht mehr die Versorgung der Patientinnen und Patienten im Blick gehabt.

 

Die Gesundheitsversorgung leidet nicht etwa unter der Anzahl der Krankenhäuser, sondern unter deren Kommerzialisierung und dem zunehmenden Druck, Gewinne für große Konzerne erwirtschaften zu müssen. Auch in Niedersachsen wurde zu Beginn der  2000er Jahre die Privatisierung  durch die damalige Landesregierung forciert. Wohin Markt und Wettbewerb als alleiniger Maßstab führen, ist jetzt deutlich zu sehen:   Personalmangel, Arbeitsverdichtung, Leiharbeit, untertarifliche Bezahlung und Lohnkürzungen sind in den Kliniken, aber auch in Pflegeeinrichtungen an der Tagesordnung.

 

„Der Herr Bundesgesundheitsminister Spahn hält zwar tolle Reden über seine Absichten, etwas ändern zu wollen, aber mit den Taten ist er doch sehr sparsam“ so die Präsidentin weiter.  Hier muss der Hebel angesetzt werden, wenn verhindert werden soll, dass weiterhin viele Pflegekräfte ihrem  Beruf den Rücken kehren und sich Auszubildende  kaum noch finden lassen. Es braucht endlich ein radikales Umdenken, statt dem Pflegenotstand weiter hinterher zu sparen und die soziale Infrastruktur weiter zu zerstören!

Der Bundesverband Graue Panther e.V. fordert daher eine sofortige Abkehr von der  Privatisierung im Gesundheitswesen.

 

Eine wohnortnahe stationäre Versorgung kann nur gesichert werden, wenn Krankenhäuser in öffentlicher Hand betrieben werden und damit dem Markt und dem ruinösen Wettbewerb entzogen werden. Gerade ältere Menschen sind in der Genesung auf den Besuch ihrer Lieben angewiesen und das geht schlecht bei Anreisen von bis zu 100km.  Dazu gehört natürlich  auch, dass Pflegekräfte bundesweit  nach dem Tarif des Öffentlichen Diensts (TVÖD) bezahlt und durch bedarfsgerechte Personalschlüssel deutlich entlastet werden.