Altersarmut in Würzburg

 

Die Würzburger Rentnerin M.R. ging  mit 77 Jahren gegen wachsende Altersarmut auf die Barrikaden.

Am  Samstag 17.11.18 war es soweit,  um 16.00 Uhr trafen sich viele vor dem Selbsthilfehaus der Stadt Würzburg zu einer sozialkritische Kunstaktion. Seniorin M. R.  aus Würzburg kann sich nur noch das Allernötigste leisten. Die 77-Jährige hat über 30 Jahre lang gearbeitet, trotzdem reicht die Rente nicht – sie erhält zusätzlich "Grundsicherung". Nun ging  sie gegen die Altersarmut auf die Barrikaden!

Sie hat eine Tapetenrolle und Stifte  viele schrieben ihre Probleme, Bedürfnisse und Finanzierungsmöglichkeiten nieder. Daraus soll eine Collage entstehen. Diese will dann die Würzburgerin Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ins Kanzleramt nach Berlin schicken und hofft, dass sich auch aus vielen anderen Städten Protest regt.

"So kann es nicht weitergehen", sagt R. mit Blick auf immer mehr Senioren, bei denen die Rente nicht mehr zum Leben reicht. Sie sieht aber auch die Niedriglohnbezieher oder Langzeitarbeitslosen von heute auf Altersarmut zusteuern. Sie kritisiert, dass Löhne, Gehälter und Renten immer nur linear angehoben werden, und nicht stärker im unteren Bereich.

Für die eigene Rente von gut 1.000 Euro hat sie es hochgerechnet: In 5 Jahren hat sie dann 130 Euro mehr, einer der jetzt 4.000 Euro bezieht, aber gut 450 Euro mehr.

So gehe mit den Jahren die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander.

Ein weiteres Problem sieht R. in hohen Mietkosten. Zum Beispiel: Ein 2017 für die Stadt Würzburg erstmals aufgelegter Sozialbericht gibt der Rentnerin recht. Danach sind bereits 5 Prozent der Rentner in Würzburg auf die Sicherung des Existenzminimums über die so genannte "Grundsicherung" angewiesen, 2020 könnten es den Prognosen nach aber bis zu 9 Prozent sein, so Thomas Stolzenberg vom städtischen Sozialamt auf eine Anfrage. Und auch der städtische Sozialbericht listet Niedriglöhne, sowie gewollte und ungewollte Unterbrechungen in der Erwerbsbiografie, aber auch hohe Mieten als Armutsgefährdend auf. Der Faktor "Miete" spiegelt sich auch in der Berechnung der Grundsicherung für Senioren in Würzburg.

424 Euro sind für den reinen Lebensunterhalt angesetzt, aber 520 Euro für eine angemessene Miete.

Für Senioren, die unverschuldet in eine prekäre finanzielle Lage gekommen sind, hat die Stadt Würzburg erstmals 2010 einen Nothilfefonds mit 5.000 Euro aufgelegt. 2017 waren es bereits 35.000 Euro. 2018 sind es 45.000 Euro.  Rund 250 Senioren kann so, mit meist kleineren Beträgen, geholfen werden. Etwa wenn Geld fehlt für eine neue Brille, Zahnbehandlung, einen neuen Kühlschrank oder die Lichter ausgehen könnten, weil die Stromrechnung nicht bezahlt werden kann.

 

Die Aktionen wurde  "WAT" Würzburger Arbeitslosentreff unterstützt.  Seit 20 Jahre leitet Widmann bereits den Arbeitslosentreff. Noch nie haben allerdings Betroffene die Verhältnisse öffentlich gemeinsam anprangern. Der Grund dafür ist wohle ganz einfach, sie sind einfach mit dem täglichen Überleben ausgelastet.

 

Dez. 2018 ( zitiert aus: Mitdenker Runde)