von Erika Lohe-Saul

Geboren am 7.3. 1925 in Essen, prägten verschiedene Wohnorte und Erlebnisse den späteren politischen Weg. Zuerst Markstädt (bei Breslau) als die Bomben des 2. Weltkrieges die Menschen, vor allem Frauen und Mütter, in den Jahren 1942/43 aus den Industriestädten des heutigen NRW vertrieben. Die vertriebenen Frauen wurden von den Menschen, ob im Raum Breslau oder im Thüringer Wald, als „ Bombenweiber“ beschimpft, die den einheimischen „die Kartoffel wegfressen“.

Als junges Mädchen hatte Trude Unruh in Essen bei der Firma Krupp gearbeitet und wie viele andere junge Menschen ihrer Generationen, Terror, Krieg, zerbombte Städte, Flucht und Tod hautnah erlebt. Noch im Kriegsjahr 1944 hatte sie ihren Mann Helmut geheiratet, 1956 kam in Northeim ihr erster Sohn Helmut zur Welt, 1960 der zweite Sohn Ingbert.

In den 50er Jahren, zurück mit der Vertreibungswelle über Northeim,  Nordstemmen, Garbsen, Werl, Kaarst, Kelkheim und Hamm kam sie nach Wuppertal. Dort lebt sie nun seit 1968. 

Eine Graue Pantherin erinnert sich

Als mein Mann mich neulich fragte: „Weißt du eigentlich, wer am 7. März Geburtstag hat?“, antwortete ich prompt: „Natürlich! Trude Unruh, die Gründerin der Grauen Panther.“

Dieses Datum hat sich mir tief eingeprägt, denn Trude hat einen Tag vor dem Internationalen Frauentag, dem 8. März, Geburtstag. Schon immer dachte ich, es ist doch recht schade, dass sie nicht einen Tag später geboren wurde, denn sie hat sich sehr um die alten Menschen verdient gemacht, besonders um die alten Frauen, die meistens in Einsamkeit und Altersarmut allein zurück bleiben.

Wenn Trude aus dem Nähkästchen plauderte, klang das so: „Meine Schwiegermutter hatte ein Kaffeekränzchen, das einmal die Woche zusammen kam. Die alten Damen tranken Kaffee, aßen Kuchen und redeten über das Alter und was wohl danach kommt. Allmählich wurde das Treffen immer mehr ausgedünnt. Das geschah hauptsächlich dadurch, dass die Angehörigen ihre Mütter und Schwiegermütter in Altenheime unterbrachten. Dieses Verschwinden aus der Kaffeerunde geschah sang- und klanglos. Die Familien gaben den alten Frauen nicht einmal die Möglichkeit, sich von ihren Freundinnen zu verabschieden.“

Das weckte nun das Misstrauen bei Trude sowie ihrer Schwiegermutter, und sie stellten Nachforschungen an. Das Ergebnis war leider wenig erfreulich, denn die Heime waren nur Aufbewahrungsstellen, in denen ruppige Behandlung und ein rüder Ton herrschten. Wenn man Pech hatte, wurde man sogar geschlagen. Dies geschah meistens aus Zeitmangel, wenn die alten Menschen nicht schnell genug reagierten. Hatte man aber Glück, dann waren diese Häuser wenigstens “satt und sauber“.

Das war für Trude der Anlass, 1975 den Senioren-Schutz-Bund “Graue Panther“ zu gründen. Sie bekam dabei starke Unterstützung von ihrem Mann und ihrer Schwiegermutter. Zuerst kümmerte sie sich um die schlechten Altenheime, denn davon gab es mehr als genug. Die Heimaufsichten – sie gab es wirklich – mussten sich aber vor einer Begehung anmelden, was dazu führte, dass in den Altenheimen reger Betrieb entstand. Alles wurde auf Hochglanz geputzt und poliert. Die alten Menschen saßen auf ihren Stühlen

frisch gewaschen, gut frisiert und in ihrer besten Kleidung. Sie lächelten lieb, da sie Medikamente zum Wohlfühlen und Betäuben bekommen hatten und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Das geschah dann in Form der Heimärztin, der Heimaufsicht und der Heimleitung. Diese rauschten an den alten Menschen vorbei, fanden alles in Ordnung und beendeten die Begehung bei Kaffee und Kuchen. Nur das Personal und die Zivildienstleistenden wussten, was für ein falsches Bild entstanden war.