Keine 24 Stundenpflege mehr im häuslichen Bereich,

dass ist  mit dem Senioren Schutz Bund nicht zumachen!!

 

Der Berliner Kurier berichtete am 10.August 2019 von einer Demo, bei der es vorrangig um die Gesetzesänderung zum 24-Stundendienst in der Pflege zu Hause geht. Nun plant unser Gesundheitsminister Jens Spahn eine Gesetzesänderung, die besagt, dass Menschen, die auf 24-Stundendienst angewiesen sind ab 01.01. bzw. 01.07.2020 in ein Heim gehen müssen, da dieser Dienst aus dem Katalog der Pflegedienste entfernt werden soll!

Eine der Initiatoren der Demo ist selbst betroffen, da die 62jährige Barbara Carus aus Berlin wegen einer ALS-Erkrankung durchgehend (vor allem auch nachts) beatmet werden muss, um nicht zu ersticken! Sie war sehr glücklich, einen Pflegedienst gefunden zu haben, der diese Pflege für sie zur Verfügung stellt. Ab Gesetzesänderung hat sie nur noch die Wahl, in ein Heim zu gehen oder zu sterben. Sie sagt, dass sie in diesem Falle Letzteres vorziehen würde, da es ihr eine Greuelvorstellung ist, in einem Heim mehr oder weniger "verwaltet" zu werden!

Zitat aus dem Berliner Kurier;

"Nach zwei Stunden schafften es die hartnäckige Barbara Carus und andere Mitstreiter, ins Ministerium zu gelangen und mit Jens Spahn persönlich zu reden. „Er hat mir gesagt, dass er sich kümmern wird und ich zu Hause bleiben kann“, so Barbara Carus. Der Minister versprach sogar, dass sie bei Problemen wiederkommen könne."

...wie lange würde es wohl dauern, einen Termin bei Herrn Spahn (wenn überhaupt) zu erhalten?

Also nicht als leere Versprechungen, auf die ich mich an Frau Carus' Stelle sicher nicht verlassen würde!

 

Hintergrund der Gesetzesänderung ist der schon bekannte Pflegenotstand, der auf der Tatsache beruht, dass die Pflegdienste viel zu wenig Geld von den öffentlichen Stellen erhalten, um ihre Pflegekräfte so zu entlohnen, dass sie auch eine genügende Anzahl finden und überhaupt beschäftigen können. Das verstößt unserer Meinung nach gegen das

 

Grundgesetz §1, denn es greift die Würde des Menschen an, wenn er im Krankheitsfall/Schwächezustand nicht in seinen eigenen 4 Wänden bleiben und weitgehend selbstbestimmt leben kann. Eine Heimunterbringung ist in jedem Fall teurer als die Pflegedienste vernünftig zu bezahlen.

Das haben bereits Studien von vor über 40 Jahren mehrfach nachgewiesen !!!

Also ist diese Gesetzesänderung nicht nur unmenschlich, sondern auch vom wirtschaftlichen Standpunkt her einfach dumm!!

Dazu kommt ja noch, dass durch die letzte "Verschlimmbesserung" des Pflegegesetzes die notwendige Haushaltshilfe aus dem Punktesystem, das den Pflegegrad und damit die Anzahl der Stunden, die für den Patienten geltend gemacht werden können, gänzlich entfernt worden sind. Es ist nur noch die Frage, ob ein Mensch sich noch selbst waschen kann! Ob er selbst einkaufen, kochen oder seine Wohnung säubern kann, spielt in diesem Punktesystem überhaupt keine Rolle mehr!!! Dabei sollte dieses "Stiefkind der Pflege" ein notwendiger zweiter Pfeiler für ein menschenwürdiges Leben sein. Die 5 Stunden Ersatzleistungen im Monat reichen dafür vorn und hinten nicht aus. Viele Pflegedienste haben dies aus den vorher genannten Gründen gar nicht mehr im Angebot. Interessiert es Sie, Herr Spahn, überhaupt nicht, ob diese Menschen verhungern oder in einer verdreckten Wohnung verkommen?

Auch "Essen auf Rädern" ist hier keine wirkliche Lösung, da es von den Betroffenen immer noch uneingeschränkt selbst bezahlt werden muss, von denen viele sich das einfach nicht leisten können, da es wesentlich teurer ist, als wenn Sie selbst gekochtes Essen zu sich nehmen! Außerdem führt die ständige Großküchenversorgung zu Mangelschäden, die auch wieder erhöhte Kosten im Gesundheitssystem verursachen (die natürlich oft nicht als solche erkannt/anerkannt werden)!

Herr Spahn, wenn Sie die wirtschaftlichen Aspekte einmal von wirklichen Experten (die Ihnen nicht nur nach dem Munde reden) durchleuchten ließen, würde ihnen jeder dieser Experten erklären, dass es langfristig viel kostengünstiger wäre, Menschen so lange wie irgend möglich in ihrem eigenen Haushalt zu versorgen, ganz davon zu schweigen, dass es menschenwürdiger wäre.!!

Außerdem ist ja auch die Zahl der Heimplätze inzwischen so knapp geworden, dass es ellenlange Wartelisten gibt (abgesehen von den ganz teuren Einrichtungen, die sich einfache Leute gar nicht leisten könnten). Was würde aus einer Babara Carus, wenn Sie nicht schnell genug eine Heim fände? Nehmen sie wirklich billigend in Kauf, dass solche Menschen dann einfach sterben? Das wäre strafgesetzlich gesehen ein Mordmerkmal!!!

 

Bundesverband Graue Panther e.V.

-Dachverband der Senioren-Schutz-Bund-Vereine in Deutschland

 Thomas Harder

 (Vizepräsident)